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Trekking mit der Wolfsbande

…er erlebt noch

Trekking mit der Wolfsbande

Am Sonntag, den 8. November gings in 2 Pick Ups von dem Ferienhaus der Wolfsfamilie in Amaicha mit insgesamt 15 Mann (die Wolfsbande) los.

Amaicha

Dass 15 Mann plus 2 Fahrer in 2 Pick Ups nicht der StVO entspricht muss nicht weiter erwähnt werden, ist aber durchaus gängige Praxis in Argentinien. An einem geheimen Platz in der nähe einer Schule auf 2500m wurde das erste Lager aufgeschlagen, um am Montag morgen früh in die Berge aufzubrechen.

Schule

Ein jeder war bepackt mit der Trekkingausrüstung incl. der kompletten Verpflegung für eine Woche. Das die Masse eines jeden Rucksacks nicht unerheblich von der Erdbeschleunigung angezogen wurde kann sich wohl jeder denken. An dieser Stelle möchte ich gleich vorweg nehmen, dass aufgrund der ausgezeichnet kalkulierten Menge, sowie der herausragenden Disziplin der gesamten Truppe am Freitag Abend immer noch Wein zu den Speisen gereicht werden konnte!

Bei der ersten Rast in ca. 2700 m ü M konnte erst einmal durchgeatmet werden, bis dahin hatte ich mir noch keinerlei Vorstellungen gemacht wie hart die weiteren Tage werden würden aber eine grobe Vorahnung keimte bereits. De Facto wurde täglich mehr oder minder mit der Sonne aufgestanden, gepackt und losmaschiert, mittags eine Stunde Pause für Snacks und ein Schläfchen eingelegt und bis kurz vor Sonnenuntergang weitermaschiert. Zwischendurch gab es dann Pausen, sofern man sich einen gewissen Vorsprung herausgearbeitet hat. Abends wurde mit den letzten Sonnenstrahlen das Zelt aufgebaut, danach gab es meist einen leckeren Eintopf und dann aber ab ins Bett ;-)

Die zweite Nacht wurde am Las Pircas de Mansfeld (3600m ü M) verbracht-ein gewisser Herr Mansfeld hatte sich hier 1942 verewigt. Am nächsten Tag gings -dreimal dürft Ihr raten- weiter Bergauf.

Beim Aufstieg wählte ich eine Variante durch ein trockenes Bachbett, denn die Pfade-noch von den Incas-sind nicht wie ein Alpenwanderweg- vermutlich wandern hier pro Jahr drei Gruppen wie wir auf diesen Pfaden- ständig ist man auf der Suche nach dem „richtigen Pfad“. Beim Aufstieg aus dem Bachbett zurück zur Gruppe entdeckte ich antike Scherben.

Antiker Fund

Esteban klärte mich auf, dass diese aufgrund des groben Musters noch von Kulturen vor der Incazeit stammen.

Die dritte Nacht wurde auf 4200m ü M bei Las Pircitas verbracht, deutlich kühler, deutlich dünnere Luft. Wer meine Blogs verfolgt hat weiss, wie ich auf 4300m üM bei minus 10°C übernachtet habe.

Diese Nacht war nicht ganz so kalt, aber ebenfalls deutlich unter Null-diesmal aber nur mit einen, nicht zwei Schlafsäcken. Leider kann ich mit dieser “Heldentat” aber nicht gross angeben, denn meine beiden Zeltkameraden hatten nicht einmal eine Isomatte dabei-Rodrigo der Frostkönig paarte die nicht vorhandene Isomatte mit einem dünnen Sommerschlafsack-sind eben Argentinier-andere Liga…

Am nächsten Tag gings dann über den Paso por el abra (4825m ü M), den höchsten Punkt des Trekkings-mit dem Rucksack auf dem Buckel in der Höhe kann einem schon mal die Puste ausgehen-oben hab ich trotzdem erst mal eine geraucht ;-)

Danach noch ein kurzer Abstieg auf 4600 m ü M zum Campos Colorados -fertig wie Schnitzel. Am Campos Colorado gab es ein grosses Moosfeld.

Campos Colorado

Das Moos schafft hier sein eigenes Biotop in dem es an einigen Stellen extrem wuchert, in anderen Bereichen nicht wächst und dadurch bis zu 2m Tiefe kleine Tümpel schafft.

Am Donnerstag dann gings auf etwa gleicher Höhe dem Hang auf der rechten Seite des Tals entlang, bis wir den kulturellen Höhepunkt des Trekkings erreichten – La Ciudad Cita- eine verlassene Incastadt auf 4300 m ü M.

Ciudad Cita

Wozu sie diente ist noch nicht erforscht. Evtl. wurde hier Erz abgebaut, evtl. war es auch nur ein Observatorium. Hier liegen noch überall Säckeweise Tonscherben herum-ein kleines Matchu Pitchu-nur ohne Touristen weil man eben drei Tage trekken muss um hierher zu kommen. Als wir dann die Ruinen begutachteten kamen noch wie bestellt ein Kondorpaar herbeigeflogen und kreiste einmal in 20m Höhe über den großen Platz-da bleibt selbst dem erfahrenen Abenteurer das Blut in den Adern stocken-Momente die man nicht vergisst.

Ciudad Cita

Leider habe ich kein besonders gutes Foto von den Kondoren geschossen-aber ich habs dafür auf Video ;-)

An dieser Stelle wird es Zeit die Truppe vorzustellen:

Ciudad Cita

Von rechts nach links, die beiden Wolfsbrüder und Leiter der Expedition Esteban (29) und Maximo (30) Lobo, als dritter der Wolfsvater und ältester A. Oscar Lobo(59) nie ausser Puste und immer gut gelaunt, dann Nico Arienti(30) ortskundig, dann Sebastian Calvo (27), Rodolfo Fehrmann (45), Mauro Bruni (29) wanderte in Trekkinghalbschuhen respekt, Victor Ortega war mit (trotz) 56 Jahren meist ganz vorne mit dabei, Alberto Balmaceda (47) gings am ersten Tag nicht besonders (kotzte) hat sich aber trotz allem nichts anmerken lassen, Ignatio Sosa (59) kämpfte wacker, Leandro Costanzo (39) Spassvogel, Rodrigo Fratin (25) Frostkönig, Esteban Sinieriz (38) Küchenchef und Kenner der Indianerkulturen, Rodrigo „Kenny“ Dutra (24) inoffizieller Träger des gelben Trekkingtrikots, ganz links dann der unbekannte Abenteurer (33).

Irgendwann mussten wir dann auch wieder runter, nach der Ciudad Cita gings steile 600m hinunter nach Las Cuevas, ein Wunderschöner Lagerplatz (siehe Bilder-> Argentina2).

Esteban

Am Freitag wurde es dann mit jedem Schritt grüner, der Abend wurde bei Las Masedas verbracht. Nach 5 Tagen war dies das erste Anzeichen von Zivilisation.

Las Mesadas

Vom Start der Expedition am Montag morgen bis dahin waren uns keine bewohnten Häuser sowie Wege die mit Jeeps befahrbar wären unter gekommen-bei einem Notfall wären mind. 2 Tage vergangen bis eine Hilfe unterwegs wäre…

Am Samstag dann erstmals eine kurze Etappe von Las Mesadas in ein Refugio im Nationalpark Los Alisos. Zum ersten mal regnete es im Verlauf meiner Südamerika Tour-im Regenwald ja auch nichts besonderes.

Dschungel

Am Sonntag dann nochmals ein Gewaltmarsch an den Ende des Parkes, anschließend ein wohl verdientes Bad im Fluss bei dem ein jeder bemerkte, dass er zwar Farbe bekommen hat, jedoch nicht ganz so braun geworden ist wie er vor dem Bad noch dachte ;-)

Valio la Pena

P.S. Auf der Heimfahrt ist einem voll besetzten Pick Up noch ein Hinterrad abgeflogen und quer über die Fahrbahn geschossen, alle 6 Bolzen abgescheert. Der Fahrer hat zum Glück die Fuhre dezent zum stehen gebracht…geflickt wurde das ganze wieder mit einem echten Radbolzen und zwei metrischen Schrauben,dann gings weiter- Argentinier sind in dieser Hinsicht recht schmerzfrei.

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