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Image of Abgefahren: In 16 Jahren um die Welt

El Chaco-in einer Hand die Bibel, in der anderen der Colt


Paraguay-Chaco
Vorwort
Wir hatten uns zufällig Ende Januar in Valparaiso (Chile) getroffen und sind eine Nacht durch die Kneipen der Hafenstadt gezogen, um den Trubel des Karnevals der auf der Strasse tobte zu umgehen.  Wir, das sind Björn, der seit 2 Jahren auf seiner Dolly (BMW F650GS Dakar Bj.2004) um die Welt reist-Ich, carliO bin  seit 6 Monaten auf meiner Katie (KTM 950s Adventure Bj 2005) in Südamerika unterwegs. Nach dem dritten Bier haben wir grob vereinbart uns in Buenos Aires wieder zu treffen. Statt Buenos Aires wurden es dann die Wasserfälle von Iguazu. Von dort aus ging es zusammen weiter nach Paraguay.
Grenze/Ciudad del este
Die Einreise nach Paraguay ist für Europäer recht problemlos, da kein Visa notwendig ist. Doch recht chaotisch ist die Situation in der Grenzstadt Ciudad del Este momentan dennoch. Ciudad del Este ist eine Freihandelszone in der unter anderem Elektronik zum Teil sogar unter U.S amerikanischem Preis gehandelt wird (selbst bei günstigem Preis lohnt es sich nochmals zu handeln). Dies lockt vor allem Kunden aus den Nachbarstaaten Brasilien und Argentinien in Scharen an. Da sich meine Kamera in letzter Zeit immer wieder Aussetzter erlaubte, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen mir eine neue Kompaktkamera zu erstehen. Doch das Wirrwarr von kleinen Händlern, sowie die unzähligen Jugendlichen, welche sich darum bemühen den „Gringo“ in den „cheapest shop“ zu drangen ist alles andere als gemütlich. Generell gelten die Strassen in Ciudad del Este ohnehin nicht als sicher. Aus diesem Grund blieb Björn für die Zeit meines Einkaufs an den Motorrädern und ich bemühte mich so schnell wie möglich die Kamera zu kaufen. Als ich zurück komme ist Björn umringt von etwa 40 Passanten, welche unsere Maschinen  inspizieren-zusätzlich wird er noch von einem Polizisten bewacht.
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Der Polizist kam auf Weisung einer einheimischen Dame, welche sich mehr um unsere Sicherheit sorgte als wir selbst.  Wir beide wollen nur so schnell wie möglich raus aus der Stadt, doch vorher brauchen wir noch einen Geldautomaten und  temporäre Einfuhrpapiere für die  Motorräder. Da die sich die Zollgebäude gerade im Umbau befinden, müssen wir-bzw. zunächst Björn das richtige Zollbüro finden. Ist das richtige Büro erst mal gefunden, dann geht die Abwicklung einigermaßen schnell und problemlos.
Endlich sind wir back on the road. Der Stress, die Hitze und die Feuchtigkeit der Stadt wird schnell vom Fahrtwind weggeblasen und ein gemütliches Grinsen stellt sich ein. Die Fahrt führt durch hügeliges Ackerland, welches  hin und wieder von Dschungelwäldern unterbrochen wird.
Asuncion
Mit Einbruch der Dunkelheit erreichen wir die Hauptstadt Paraguays. .Wir sind froh als wir  am Hotel ankommen , denn die Fahrweise vor allem um die Ballungsgebiete ist recht aggresiv.  Eine Dusche ist bitter nötig, das feucht-heisse Klima ist selbst bei abendlichen Fahrten in der Stadt nicht sehr angenehm.
Am folgenden Tag ziehe ich los um einen neuen Hinterreifen zu besorgen-ein grobstolliger Pirelli MT21 wäre nicht schlecht. Der dritte Händler, den ich frage sagt nicht einfach nur „haben wir nicht“ sondern ruft ein paar weitere Händler an und wird fündig. Er weist mir sogar als Sozius den Weg. Leider haben sie jedoch keinen MT21- der einzige 140/80-18 der in Asuncion aufzutreiben ist, ist ein strassenorientierter MT90. Besser wie gar kein Reifen denke ich und der Preis von 95  US Dollar ist auch vertretbar. Auf Bestellung sind in Asuncion wohl sämtliche Import-Reifen erhältlich, doch wir wollen lieber schnell weiter,  denn wir beide haben auf unseren Reisen mehr als genug Zeit in Städten verbracht. Uns zieht es in den  aufs Land- genauer in den Chaco.
Am nächsten morgen sind wir schon bald auf der Routa 9, dem Trans Chaco Highway.
Hier im Bild: Chaco toasted
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Hier: Chaco tipico

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Hier ist wenig Verkehr und wir genießen die gemütliche Fahrt. Im Süden besteht der Chaco weitgehend aus Weideland, in welchem sich dennoch einige schattenspendende Bäume befinden.
Weiter nach Norden werden die Anteile an dem für den Chaco typischen Kemp und Busch immer mehr.

Übergang von Kemp zu Busch

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Die Kempen sind ehemalige Flussniederungen, welche nur spärlich bewachsen sind, der Busch hingegen ist ein nahezu undurchdringlicher Dornenwall. Die Namen Kemp und Busch klingen nicht ganz zufällig so deutsch-deutschsprachige Mennoiten besiedelten den Chaco in mehreren Siedlungswellen (1927, 1930, 1945 und 1965). Schilder im Chaco vor allem in den Kolonien sind häufiger in deusch, denn in spanischer Spache. Unter sich sprechen die Mennoiten ein altes Platdeutsch von welchem wir nur einzelne Brocken verstehen.
Filadelfia/Fernheim

Nach etwa 350km biegen wir vom Trans Chaco Highway rechts ab nach Filadelfia. Wir laden gerade unser Kisten, Koffer und Packsäcke von den Maschinen als eine BMW R80, welche sich in einem top Zustand befindet, vorfährt. Wir lernen ihren Besitzer Peter Friesen kennen, der uns von der kleinen „Motorradgemeinde“ des Chacos berichtet und uns ein Treffen mit Ihnen vorschlägt. Wir stimmen ein und verabreden uns für den folgenden Abend. Am folgenden Tag ziehen wir mit Tagesgepäck los um Fernheim, die Kolonie um deren Zentrum Filadelfia kennenzulernen.

Man spricht Deutsch!

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Abseits des Trans Chaco Highways sind fast nur Erdwege anzutreffen- es staubt gewaltig, und es macht tierisch Spass der Kathie wieder mal so richtig die Sporen zu geben-auf einer langen Geraden versuche ich sie auszufahren, doch das Potenial der 950er übersteigt das meiner Nerven – 178km/h zeigt der Navi als Vmax. Die ein um die  andere Kurve wird im Drift genommen.

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Zwei Rallybegeiterte (Vater und Sohn) sehen uns und holen ihr Crosscart heraus und zeigen wie hier die Locals driften. Die „Seifenkiste“ mit 250er Yamaha Einspritzer ist in Sachen Staubproduktion eindeutig Sieger.

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Die beiden berichten uns vom Fortin Boqueron, in welchem sich nun ein Chaco Krieg Museum befindet. Das Ausstellungsstück welches uns am meisten begeisterte war der 22er Fleischwolf von Husquarna.


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Um den Gedenktag des Boqueron Friedens findet hier alljährlich die Trans Chaco Rally statt.

Zum Abend holt uns Peter Friesen zum Treffen ab. Insgesamt 7 große Motorräder stehen nun vor der Kneipe und ziehen jede menge Zuschauer an.
Die Flecken auf dem Bild sind ganz normal-der Chaco ist eine staubige Gegend

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In der munteren Runde lernen wir unter anderem Jimy aus Neuland kennen, der uns 3 Nächte in seinem Haus aufnimmt.
Neuland

Bei Jimy können wir uns mal wieder ausgiebig um unsere Mopeds kümmern, es wird gereinigt, gepflegt, ich ziehe meinen neuen Reifen auf …


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…und Björn beseitigt das ein oder andere Klappergeräusch an seinem Gepäcksystem -2 schwere Stürze auf der Routa 40 haben ihre Spuren hinterlassen. Gegen Abend taucht Hartmut mit seiner alten BMW R69s auf. Doch alt sieht sie nicht aus, er hat sie penibel restauriert und sie glänzt und knattert wie neu.

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Am nächsten morgen holt uns Jimy früh aus den Federn, wir fahren mit Ihm in seinem wuchtigen Toyota Landcruiser in den Nationalpark Selva Serena.

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Jimy führt uns kreuz und quer durch den Busch-wir beide haben längst die Orientierung verloren als Björn fragt ob wir vielleicht im Kreis laufen.

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Darauf  entgegnet Jimi nur trocken: „Wieso da vorn steht doch das Auto“ -tatsächlich-Respekt an Jimys Orientierung im Busch.

Am Abend gibt es ein leckeres Asado (Gegrilltes) und das ein oder ander Bier. Mit Jimy und Hartmut  diskutieren wir über „Gott und die Welt“ denn unsere „Welten“ sind doch etwas verschieden. Im Chaco kennt jeder jeden und jeder hilft jedem die Gemeinschafft der Mennoiten hat hier einiges erreicht und den dornigen Chaco und urbares Land verwandelt.
Wir beiden Reisende konnten uns selten so gut mit Einheimischen austauschen wir hier im Chaco den fast jeder spricht deutsch. Sogar ein grosser Teil der indigenen Bevölkerung spricht deutsch und bei dem ein oder anderen Bier mit Jimy und Hartmut wurden die Probleme und Chancen des Zusammenlebens der verschiedenen Ethnien erörtert.
Am nächsten Nachmittag brachen wir wieder auf für eine kurze Etappe über Mariscal nach Rosaleda, einer Schweizer Siedlung. Hier ist jeden Mittwoch das Restaurant Moskito geöffnet. Auch hier wurden wir vom Publikum herzlich empfangen und konnten dort sogar in unseren Schlafsäcken nächtigen.

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Am nächsten Morgen brechen wir auf und tanken nochmal in Mariscal, der letzten Tankstelle in Paraguay auf. 440 km ohne Tankstelle liegen vor uns. Das Asphaltband, welches uns gen Bolivien trägt ist übersät mit Schlaglöchern. Die Fahrt auf der Geraden wird zum Slalom.

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Bei etwa 40°C kommen wir an der Grenze an. Die Grenzer sowohl Paraguayer als auch Bolivianer sitzen gemütlich beisammen, hören Musik und essen zusammen. Allzu oft kommt hier anscheinend keiner durch.


Hinweise zum Chaco

Die fahrerischen Herausforderungen sind im Chaco recht überschaubar-solange es nicht regnet – als Reisender fühlt man sich hier stets willkommen, denn  nur wenige unserer Spezies kommen hier vorbei. Umso größer und ehrlicher ist das Interesse der hier heimischen Bevölkerung.
Wild campieren ist im Chaco eher was für die ganz Harten, ein grosser Teil des Chacos ist eingezäunt und gehört zu einer Estancia, die Grünstreifen neben der Fahrbahn sind oft von der indigenen Bevölkerung besiedelt, 80% der Sträucher und Bäume haben Dornen  unter welchen sich Skorpion, Taranteln und Klapperschlangen tummeln- Leoparden und Pumas reissen häufig das ein oder andere Kalb, daher gilt auch der Besitz einer oder mehrere Schusswaffen als normal.

Mit diesem für den Chaco typischen Flaschenbaum möchte ich mich verabschieden-der nächste Blog ist bereits in arbeit ;-)

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Grüsse carliO

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